







Heute geht es erst einmal auf die mächtige Zitadelle, von der aus man einen herrlichen Blick über Kars und die Umgebung genießen kann, wenn das Wetter mitspielt.
Ein Teil der Teilnehmer hat ja mit ihren Autos auf dem Burgberg übernachten können - das ist auch der Grund dafür, dass wir vor verschlossenen Toren stehen. Die eigentliche Einfahrt liegt 5 km weiter weg, Günter fährt sie dann - in der Zwischenzeit wurde das Tor dann doch geöffnet. Ein junger Mann, der meinte, ein Fotograf zu sein, kam des Weges und ich nahm an, er hätte nun auch einen Schlüssel dabei fürs Tor. Doch wir mussten uns noch eine Weile gedulden, bis sein laut vorgebrachter Hinweis auf wartende Touristen zur Öffnung des Tores führte.
Günter fragte einen Teamleiter nach besserem Kartenmaterial - aber das, was die Leute hatten, war noch schlechter als unseres.
3.200 km mit dem Mietwagen durch die Osttürkei - Mai 2013
(Türkische Namen und Begriffe sind mit deutscher Tastatur geschrieben)
Kars - Ani / Ocakli - Tuzluca - Dogubeyazit
Weiter geht es jetzt nach dem Ort Ocakli, der vor Ani, der armenischen Ruinenstätte liegt.
Nach einer Schlaglochstrecke, die an bulgarische Straßenverhältnisse erinnert, liegen fast 42 km Asphaltstrecke vor uns - sogar das Navi spricht jetzt wieder mit uns.
Wir fahren nun also in türkisch-armenisches Grenzgebiet, wo auf einem gewaltigen Areal die Ruinen mehrerer Kirchen, Klöster, einer Moschee und die Reste der Stadtmauer zu besichtigen sind. Hier lag im 10. Jahrhundert die Hauptstadt des armenischen Reiches, im 11. Jahrhundert sollen mehr als 100 000 Menschen in Ani gelebt haben und man zählte mehr als 1.000 Kirchen. Wir sind also jetzt an der Grenze zu Armenien, weidende Kühe nutzen das Futterangebot beider Staaten.
5. Tag - Dogubeyazit - Van - Muradje - Van - Tatvan - Bitlis - Batman
Es regnet wieder einmal, in der Früh muß Günter auch noch die Wasserspülung in der Toilette aktivieren, aber sonst ist alles OK, dem verdreckten Auto tut Regen immer gut.
Heute geht es nach Südostanatolien. 15 Jahre war das Land isoliert und infolge des kurdisch-türkischen Krieges (1984 bis 1999) flüchtete ein großer Teil der Landbevölkerung in die Städte. Zwischen Euphrat und Tigris ist jetzt wirtschaftlicher Aufschwung zu spüren. Das ambitionierte GAP-Bewässerungsprojekt sorgt für blühende Landschaften. So der Reiseführer. Wir konnten uns von der Entwicklung von Malatya und Elazig zu modernen Boomtownstädten selbst überzeugen.
Die Fahrt nach Süden führt uns über den 2.640 m hohen Tendürek-Paß, den wir im totalen Nebel passieren. Nach dem Paß konnten wir die fast surreal anmutende Lavalandschaft, ein Werk des Tendürek-Dag, eines Vulkans von 3.660 m Höhe, genießen. Als es lichter wird, kommen wir durch stark besiedeltes und bewirtschaftetes Land - Schafe und Pferde auf den Weiden, Kinder als Hirten. Fahren auf einer wahnsinnig verbreiterten Straße - als die Einzigen natürlich. An Muradje vorbei biegen wir links ab in Richtung Van. Eine Kuh kreuzt in aller Ruhe die Straße. Die Straße ist asphaltiert, links und rechts wurden Blumen gepflanzt, immer wieder werden wir vom Gegenverkehr vor Kontrollen gewarnt.
Die Van Kalesi (Van-Felsen -Zitadelle) wirkt wie stets von unten gewaltiger, aber man hat von oben einen phantastischen Rundblick.
Hier sind die Frauen sehr konservativ gekleidet, sie tragen zwar auf dem Land nicht den Tschador, aber auch bei heller Kleidung und hellem Kopftuch ist zusätzlich der Mund verdeckt. Es sind Kurden.
Nun erreichen wir auch den Van-See, 1.720 m über dem Meeresspiegel gelegen, ist der abflusslose See siebenmal größer als der Bodensee. Ein bisschen Promenade, ein zugebautes und stark verdrecktes Ufer - zumindest da, wo wir auf den See stoßen.
In Gervas starten die kleinen Schiffe, die auf die Insel Akdamar übersetzen, auf der es eine armenische Kapelle zu bewundern gibt. Da wir hier sehr lange und mit ungewissem Ausgang hätten waren müssen, gehen wir - auch des Regens wegen - in das gegenüberliegende Restaurant und essen eine Kleinigkeit.
Wir hatten eigentlich gedacht, am Van-See ein nettes kleines Hotel in Seenähe zu finden, aber da hatten wir wieder einmal die falschen Vorstellungen.
Wir fahren nun in Richtung Bitlis, Günter muß wieder tanken, fühlt sich betrogen, da die Literanzeige schwer zu lesen ist - klärt sich aber auf. Sie füllen Öl nach und verlangen dafür 20 Lire, was ziemlich viel Geld ist. Zur Besänftigung geben sie uns zwei Kartons mit einer Art präpariertem Feuchttuch.
Jetzt kommen doch öfter Kontrollpunkte - wir werden aber immer durchgewinkt. Der Zeitung „Zaman“ (in Englisch) war zu entnehmen, dass die abziehenden PKK Kämpfer ihre Munition vor Ort vergraben und auch hat transportieren lassen - entgegen den Verträgen - und dass dies durch Kontrollen aufgedeckt werden soll.
Wir fahren durch das am Ende des Sees gelegene Tatvan - einen sehr geschäftigen Ort und sehen unterwegs wieder Neubauten, einige davon mit eingeschlagenen Fensterscheiben.
Auch in Bitlis finden wir kein Hotel, es ist eine lebhafte und recht wuselige kleine Stadt mit vielen den Tschador tragenden Frauen. Richtiger ist, dass wir die enge Hauptstrasse des Ortes durchfahren, dabei immer nach Hotels Ausschau halten und gleich mit schauen, wo man parken kann. Wir fahren weiter Richtung Batman
Ein total vermüllter Bach, Plastik in den Büschen. 26 Grad. Und wieder eine Kontrolle. Noch 137 km bis Batman, das sich dann als eine echte Überraschung herausstellt.
Batman gehört heute zu den wirtschaftlich bedeutenden Städten der Türkei. Das in den 1950er Jahren entdeckte Erdöl wird über Pipelines nach Iskenderun geleitet. Wir bekommen eine aus zwei großen Zimmern bestehende Suite angeboten, nur der Weg zum Badezimmer wird dadurch reichlich weit. Allerdings wird auch da kein Englisch gesprochen an der Rezeption.
Wir bummeln über die Hauptstraße - natürlich gibt es da kein wirklich türkisches Restaurant. Aber die lockere moderne Atmosphäre auf der Straße tut auch mal wieder gut. Wir essen in einer Art Fast Food Restaurant, Günter bekommt sogar sein Bier, eingewickelt in Papier.
Obwohl sie kein Englisch sprechen in der Rezeption, finden sie unsere Schlüssel sehr schnell, wir sind wieder mal die einzigen Ausländer. Gewitter und Regen in der Nacht.
Heute 484 km zurückgelegt.



Lavalandschaft, ein Werk des Tendürek-Dag

Preisliste eines Friseurs in Batman:
Preisliste Herren
Haare schneiden: 1,80 ¤
Bart schneiden: 1,35 ¤
Haare waschen: 0,68 ¤
Fönen: 1,35 ¤
Haare schneiden, waschen, föhnen: 2,25 ¤
Haare, Bart, waschen, fönen: 3,60 ¤
Haare, Bart, waschen, fönen + Obst-Maske: 4,50 ¤
Die Preise darunter gelten für Kinder
Van Kalesi (Van-Felsen - Zitadelle)
Insel Akdamar im Van-See
Fortsetzung
Unser Ziel heute ist Kars (1.768 m). Es regnet nun richtig, als wir mit der Zimmersuche beginnen. In einem Hotel ist nur noch die Suite frei, die billigen Hotels haben weder Dusche noch WC im Zimmer, die Reklame (with bathroom) bezieht sich nicht auf das einzelne Zimmer, sondern aufs Hotel an sich. In einem anderen Hotel wird uns der Tipp gegeben, es mit dem Sim-Er zu versuchen, einem Hotel, das im Reiseführer ziemlich verrissen wird. Wir finden ein ziemliches Durcheinander an der Rezeption vor, bekommen dann aber noch ein Zimmer. Auf dem Parkplatz am Hotel findet sich dann auch die Erklärung für die Verkehrspolizei an den Kreuzungen und die ausgebuchten Hotels: die Rally.
Kars wird heute angefahren von den 88 Teilnehmern der diesjährigen Orient-Ralley , die im Allgäu startet und deren Teilnehmer mit Fahrzeugen, die mindestens 20 Jahre alt sind, diesmal bis nach Jordanien fahren werden und unterwegs Güter verteilen an Schulen und Organisationen, die sie benötigen. Sie haben u.a. auch Bobbycars geladen, sieht irgendwie richtig rührend aus. Ein Teil der Männer und Frauen übernachtet auf der Burg, der Platz aber reicht nicht für alle Autos, so müssen sie sich Hotelzimmer suchen. So war das Stadtbild durch die Rally recht farbig geworden und auch der Parkplatz am Hotel hatte einiges zu bieten. Kars wirkt durch die Leuchtreklame recht unruhig - allerdings hatten wir nicht viel Zeit, uns gründlicher kundig zu machen - es regnete und wir waren spät dran an diesem Tag, an dem wir 342 km unterwegs waren.
Ani - die armenische Ruinenstätte - weitere Fotos: Bild anklicken
Ishak-Pasa-Palast - weitere Fotos: Ins Foto klicken
Rallyteilnehmer
Weiter geht es in Richtung Tuzluca, wir überqueren einen Paß von 2.286 m, vor uns tief hängende Wolken, aber erst einmal scheint die Sonne, wir fahren durch ein offenes Tal – die Hügel zu beiden Seiten wirken in der Sonne eigenartig weich, als seien sie modelliert worden (für eine Fantasielandschaft).
In Tuzluca kaufen wir Obst, Tomaten und Wasser - treffen auch wieder auf Ralleyfahrer. Heute und hier ist es warm. Ab Tuzluca verläuft die Straße an der armenischen Grenze entlang, das erklärt auch die Anwesenheit der Kontrollposten. Wir werden jedes Mal vom Gegenverkehr vor Kontrollen jeglicher Art gewarnt, die uns natürlich aber nicht betreffen.
Wir fahren durch Igdir, einen an einer aserbaidschanischen Enklave gelegenen Ort, fahren wieder bergan, kommen an einen Abzweig, der uns zum Ishak-Pasa-Palast führt, einer Palastanlage auf 2.200 m, die zu den imposantesten Motiven der Türkei gehören soll. Wir genießen die Aussicht auf die weite Hochebene Dogubeyazits , deren Horizont viele Monate den Blick auf schneebedeckte Gipfel bietet. Die Restaurierung der Anlage war gerade abgeschlossen worden, wie ich der Presse entnahm - deshalb wohl auch die Vorbereitungen für eine Feier vor Ort. Und wieder einmal leichter Regen.
Wir erreichen Dogubeyazit, einen Grenzort vor grandioser Kulisse, am Horizont sieht man - bei entsprechendem Wetter - den majestätischen Ararat, den mit 5.137 m höchsten Berg der Türkei. Der Ort gefällt uns mit seiner kleinen Fußgängerzone - alles ist sauber. Das Angebot einer Konditorei verführt uns - so genießen wir dann in dem sehr geräumigen Hotelzimmer nur ein recht rustikales Abendbrot mit Oliven, Tomaten, frischem Brot und einer Dose Bier. Vom kleinen Balkon des Hotels aus sieht man den Ararat.
Der kleine Ort scheint weniger konservativ zu sein, die Kinder sind offen und versuchen es mit Englisch, der Muezzin singt melodisch, ich entdecke unter den vielen Teehäusern auch eines für …Rentner. Natürlich erstaunt uns immer wieder der Anblick der vielen Tee trinkenden Männer, die für uns noch lange nicht im Rentenalter sein dürften, das aber ab dem Jahre 2035 auch auf 65 Jahre (von jetzt lt. Information von 40 / 44) erhöht werden wird und zwar für Männer und Frauen gleichermaßen.
Im Hotel hängt eine Art Gobelin mit dem Heiligen Abendmahl. Es gab auch eine Bar im Haus. Haben wir sonst nirgends gesehen - hier hätten wir wohl auch ein Bier bekommen.
Heute haben wir 209 km zurückgelegt.
© Guenter Knoblauch