10. Tag - Ausflug nach Rize
Wir legen einen Erholungstag ein. Rührend in der Früh der Aufwand, der getrieben wird, um uns das passende Frühstück zu servieren. Zu diesem Zweck wird Günter in der Früh auf dem Handy des Betreibers des Hotels von dessen Sohn angerufen und auf Englisch um Details gebeten. Der Chef selbst ist vor Ort - in weißem Hemd. Das Frühstück ist in der Tat fantastisch und natürlich viel zu reichhaltig. Wir kommen mit einem englisch sprechenden Mann am Nachbartisch ins Gespräch. Er ist auf Dienstreise und arbeitet für Bayer Leverkusen. So können wir auch mal die Frage nach dem Bauboom und dem frühen Rentnerdasein anbringen.
Der Chef unseres Hauses ist auch schon in Rente und arbeitet noch nebenher für das Hotel. Immerhin - früher bekam man schon mit 38 Jahren Rente, Frauen noch etwas eher - das ist jetzt wohl auf 40 bzw. 44 Jahre hochgeschraubt worden. Die Beträge sind allerdings gering - viele Rentner sind auf ihre Kinder angewiesen. So ist wohl das nachmittägliche Teetrinken eines der wenigen billigen Vergnügen.

3.200 km durch die Osttürkei - Mai 2013







Rize - Zentrum
Zwischen Rize und Trabzon reichen die Pontischen Berge so nahe an das Meer heran, daß für die Autobahn stellenweise extra Land aufgeschüttet werden musste. Wir sind dann fast vier Stunden auf der Suche nach einem Hotel - natürlich gemütlich mit Besichtigungen auf der Strecke. Nachdem es mit 2 Hotels am Straßenrand nicht geklappt hat, dh. in dem einen war nur noch eine Suite für 230 Lire frei, fahren wir einfach mal in den Ort mit dem Namen Of, der zumindest im Reiseführer erwähnt ist. Und zwar als graues zutiefst konservatives Städtchen. Angenehm überrascht fragen wir einen Gemüsehändler, der mich erst einmal ganz herzlich mit dem üblichen Hosgeldeniz begrüßt und uns dann den Weg zu einem “sehr schönen” Hotel beschreibt. Immerhin… Das Hotel ist besser als erwartet, der Mann in der Rezeption spricht erwartungsgemäß nur Türkisch und bis auf die Tatsache, daß die Klobrille fehlt - darüber lacht dann auch der Mann an der Rezeption - ich musste mir ja die Beschreibung des Mißstandes irgendwie aus dem Wörterbuch zusammensuchen, ist alles OK. Ich denke mal, daß er nicht erwartet hat, daß wir das Zimmer nehmen würden. Ansonsten war alles sauber, der Preis war bescheiden. Wir laufen noch ein bisschen über den Markt, essen in einer Konditorei eine Kleinigkeit. Im bescheidenen Preis war auch ein entsprechendes Frühstück enthalten.
316 km waren wir heute auf der Piste.







Butter und Käsestand im Bazar
Das alte Trabzon / Trapezund zwischen Neubauten
Günter kauft noch ein paar Tomaten, wir sehen mit Erstaunen, daß die Einwohner Trabzons ganz diszipliniert aufgereiht auf die Dolmusbusse warten. Und dann auch so einsteigen.
Ich esse noch mal türkisch - nun dauert es nicht mehr lange, bis man auch wieder einmal Gewöhntes zubereiten kann.
Unser Hotelzimmer hat zwar ein komplettres WC , dafür fehlen Glühlampen in den Lampen. Aber es gibt Schlimmeres.
Rentner


Weitere Daten über unsere Eindrücke, das verwendete Kartenmaterial, Hinweise zu Hotels, GPS-Daten der Fotos, Navi / Navtec--Datenstand, Reisebeschreibungen werden unter “Länderinformationen” noch bereitgestellt.
Unser Reisegepäck ist wieder verstaut im Trekkingsack des DAV-Summit Club. Trekkingsack als auch Tagesrucksack des SC leisten uns schon seit fast 20 Jahren ausgezeichnete Dienste. Von welcher “Hardware” heute kann man das noch erwarten?
(Türkische Namen und Begriffe sind mit deutscher Tastatur geschrieben)
Resümee:
Der von uns bereiste Teil der Türkei – die Osttürkei - hat in den letzten Jahren umwälzende Veränderungen erfahren - umwälzend im wahrsten Sinne des Wortes - soll doch das GAP-Programm – das eben auch gigantische Eingriffe in die Landschaft und die Lebensweise der Menschen mit sich bringt - Fortschritt und Wohlstand garantieren.
Die Vielfalt der Landschaft ist beeindruckend, erinnerte uns an Landschaften in Ladkah, in Norwegen, auf La Gomera - es muß noch schöner sein im Juni, wenn die Wiesen blühen, vielleicht die letzten Schneefelder verschwunden sind.
Die Gastfreundschaft, die wir stets erfahren haben auf unseren zahlreichen Reisen durchs Land, macht uns hier selbst bei Tankstellen zu Gästen, denen man Gutes tun möchte. Sei es eine Einladung zum Tee oder eine kostenlose Autowäsche.
13.Tag - Rückflug über Istanbul nach München
Noch einmal Frühstück – diesmal mit Blick auf den Hafen vom 5. Stock des Hotels aus. Es ist unser letzter Tag in Land - wir machen uns auf den Weg, in Richtung Samsun, um noch etwas von der Küste zu sehen. Beim Verlassen des Hotels fallen mir noch die Hinweise für den Aufenthalt im Hotel auf. An erster Stelle ist zu lesen, daß das Mitbringen von Feuerwaffen verboten sei. In Akcaabat machen wir halt. Hier wurden mehrere schöne mit Palmen bepflanzte Parkanlagen geschaffen, Restaurants sind zum Teil in der Früh schon belegt. Es ist schon recht warm - die Mädchen unter ihren Kopftüchern werden schwitzen. Das sich erholende Publikum wird als „Badegäste“ angesprochen - das dürfte dann doch aus vielerlei Gründen leicht übertrieben sein.
Auf dem Parkplatz können wir dann noch unser zu viel gekauftes Motoröl verschenken.
Die Übergabe des Autos am Flughafen von Trabzon verläuft problemlos, Günter gibt nur einige Bemerkungen zum technischen Zustand des Wagens ab mit der Empfehlung, das Fahrzeug aus dem Angebot zu nehmen bzw zu verschrotten. Dieser Ford Fiesta (klingt viel besser als er ist) - war nicht billig - im Vergleich zu anderen Mietwagen. Zum Glück war es nie richtig heiß, so daß wir auch mit der nicht funktionierenden Klimaanlage zurecht kamen.
11. Tag - Ausflug ins Kackar-Gebirge
Nach einem wieder sehr üppigen Frühstück machen wir uns auf den Weg. Diesmal in Richtung Kackar-Gebirge ins Firtina-Tal über Camlihemsin (auf 300 m Höhe, 20 km vom Küstenstreifen entfernt) zur Burgruine Zil Kale. Das ist gewissermaßen ein runder Steinturm auf einem kahlen Felsbrocken, mitten in prächtigen Rhododendronwäldern. Von weitem sah die Burg viel attraktiver aus, erinnerte an Illustrationen in Märchenbüchern der alten Art. Günter meint, es gäbe noch eine zweite Burg, der eingeschlagene Weg führt aber nur zum Dorf mit dem Namen Zilkale. Wir fahren weiter in das wunderschöne Tal hinein, treffen unterwegs einen Hirten - unsere Herkunft “Alman” erfreut ihn sichtlich, doch fotografieren lassen will er sich nicht - mit Hinweis auf sein nicht ordentliches Hemd. Schließlich kommen wir dann auch zu den gesuchten alten seldschukischen Bogenbrücken aus Stein, die ein gutes Fotomotiv abgeben. Nachdem uns ein alter Mann erklärt hatte, daß es zur zweiten Zil Kale Stunden dauern könnte - das immerhin hatte ich verstanden - kehren wir um und biegen unten bei Camlihemsin in Richtung Ayder ab.
Ayder (1.300 m) - Ausgangspunkt für Bergtouren, ist das touristische Zentrum des Kackar-Gebirges. Das Dorf liegt auf einer Hochalm - umgeben von Bergen und Wasserfällen. Reiseveranstalter haben den Markt entdeckt - früher gab es hier nur ein schlichtes Thermalbad - und da der Ort über eine Asphaltstraße nun gut zu erreichen ist, entstand ein Hotel nach dem anderen. Neue Häuser müssen jetzt alle im traditionellen Look - dh. mit Holzverkleidung - gebaut werden. Der Ort ist tot, es ist zu früh im Jahr, zudem regnet es schon wieder und keines der Hotels könnte uns so richtig begeistern. Es ist nach 15 Uhr, wir machen uns auf den Rückweg mit dem Ziel, uns im Flachland ein Hotel suchen zu müssen.
Gegen Mittag fahren wir erst einmal in die Teeanbaugebiete hoch, die neben dem Hotel liegen. Heute haben wir 22 Grad - ein echtes Geschenk.
Die Stadt Rize hat Touristen nicht viel zu bieten - sie ist Zentrum des Tee- und Kiwianbaus, zur georgischen Grenze sind es 120 km, doch das Hinterland - das Kackar-Gebirge - ist in den letzten Jahren zu einem beliebten Trekkingziel aufgestiegen. Auch hier im Gebiet um Rize wehren sich die Leute gegen den Bau von Wasserkraftwerken.
„Die Stadt selbst präsentiert sich als eine nüchterne Ansammlung von hohen Apartmentblocks an einem badeunfreundlichen Küstenabschnitt“- dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen.
Wir laufen vor zur Promenade, in Richtung Hafen, geraten in die Fußgängerzone und in eine Markthalle, wo Günter ein Stück Gurke angeboten bekommt. Türkische Markthallen überwältigen immer wieder durch ihr Riesenangebot an frischer Ware, Günter mag auch die Käsestände.
Zurück ins Hotel wissen wir, daß wir viel Glück hatten mit der Wahl des Hotels. Wir trinken einen Kaffee und essen dann Brot mit Feigen und Tomaten. Ruhen uns aus. Ich entnehme der „Zaman“, daß es durchaus noch Zweitfrauen gibt in der Türkei. Die Kumas sind zwar seit 1926 gesetzlich verboten, aber in einigen Gebieten immer noch weit verbreitet. Die Kuma wird aber nur in einer religiösen Zeremonie geheiratet. Nun ja… Das Abendessen verläuft wieder sehr angenehm, ich schaffe es, in einem grammatikalisch anspruchsvollen Satz das Gericht vorm Vortag zu bestellen. Es ist eigentlich nur ein erweitertes Rührei, lecker mit Gemüse gemischt. Im Raum sitzen junge Mädchen ohne Kopftuch zudem ein junger Mann, der im Laptop Nachrichten sieht und dabei eine Nargile raucht. Es pluppert…
Heute waren wir nur 28 km unterwegs.
Wir haben noch viel Zeit, das Gepäck ist abgegeben. Im Toilettenraum trinkt eine bis auf die Augen verschleierte Frau unter ihrem Gesichtsschleier aus einer Mineralwasserflasche - eng in eine Ecke gedrückt. Der dazugehörende Ehemann ist natürlich sommerlich gekleidet und sicher sehr stolz, so eine brave Ehefrau präsentieren zu können.
Im Flugzeug - diesmal sind unsere Plätze nicht schon belegt - „liest“ ein Frau vorm Start im Koran, vermutlich die Eröffnungssure - in einem Auszug des Korans, der für Türken erstellt wurde - denn unter den anderen arabischen Texten ist dann die türkische Übersetzung zu sehen. Andere, ganz in Türkisch gehaltene Texte werden dann auch dem männlichen Sitznachbarn zum Lesen angeboten.
Nett sind die von der Türkish Airline angebotenen Sicherheitshinweise. Beim Thema „Schwimmwesten“ sieht man erst ein Kind mit der aufgeblasenen Weste spielen.
Im Hotelzimmer lesen wir in dem Buch der Bettina Selby, was sie zu Trabzon schreibt, das sie vor reichlich 20 Jahren - kurz nach der Öffnung der sowjetischen Grenze - besuchte, finden auch noch die Reste der altern Mauer und eine Handvoll alte Häuser, als wir uns noch einmal auf den Weg durch die Stadt machen.
12. Tag - Of - Trabzon
Nach dem Frühstück fahren wir noch einmal durch die Stadt, da, wo gestern der Markt war - alles ist sauber, man hat in der Tat den ganzen Müll in der Nacht weggeräumt. Nun geht es definitiv in Richtung Trabzon. Die Uferstraße, dh. die Uferautobahn wird schöner, es gibt Bäume, Parkanlagen, eine Werft. Morgen geben wir das Auto ab - Günter wäscht es diesmal selbst. Erst kommt Spülmittel, dann nach dem 2. Lirestück das Wasser. Ein Interessent hilft erst noch beim Abspülen und übernimmt dann den Rest des Wassers. Die Automaten erkennen die alte Lira, nehmen sie nicht an. Wir haben ja noch ein bisschen altes Kleingeld.
Jetzt benutzt man am Ausgang von Ortschaften das „Güle güle“, obwohl es ja nicht wirklich passt. Wir kommen an Arsin vorbei - dort soll es einen kleinen benutzbaren Strand geben.
Und dann sind wir wieder in Trabzon - nunmehr auf der Suche nach einem Hotel. Das einprogrammierte Hotel können wir nicht anfahren - da würden wir in den Gassen steckenbleiben - also umfahren wir “großräumig” durch ein riesiges Neubaugebiet auf dem Felsen oberhalb der Stadt, um dann wieder auf der Straße vorm Hafen zu landen, wo wir uns letztendlich das Haus mit der schönsten Fassade raussuchen. Vorher hatten wir – Günters Vorliebe für die alten Gassen folgend - vermutlich in einem Bordell nach einem Zimmer gefragt. Es sind noch nicht alle Nataschas abgezogen, sie bestimmen noch das Straßenbild am Hafen - so ganz passt das dann auch nicht zum Islam.
Das Auto wird auf einen Parkplatz zwei Straßen weiter gefahren. Vor unserem Hotel parken die Busse für Fernfahrten. Batumi und Tiflis gehört auch zu den Fahrtzielen.
Wir brechen auf - kommen erst einmal auf den zentralen Platz, einem Park mit einem netten Cafe, wo wir einen Tee trinken. Es sind Kulturtage in Trabzon, es ist also „etwas los“ auf der Straße unterhalb des Platzes. Wir sehen wie immer, wo Menschenansammlungen sind - Polizisten, darunter auch eine Polizistin. Günter sieht, wie Gäste des Cafes, die sich Gürkchen gekauft haben, auch den Kellner dran teilhaben lassen. Eine junge Frau hat ein Baby dabei, total zugepackt - das wiederum interessiert andere Gäste. Dann laufen wir durch die Bazarstraßen und erleben zum ersten Mal, daß Günter unbelästigt an einem Stand mit Gürteln stehen kann. Da es hier wohl kaum Touristen gibt, werden wir behandelt wie ganz normale Türken. Kein Juwelier kommt aus dem Geschäft, eine kleine Hose für die Enkeltochter können wir uns ganz in Ruhe raussuchen. Es macht richtig Spaß.
Kein Händler “quatscht” uns an - das gibt es eben wohl doch nur dort, wo keine Touristen sich aufhalten. Sehr angenehm!
Kinder kommen aus der Schule - in Schulkleidung. Ein Mädchen bindet sich wieder das Kopftuch um den Kopf. Es ist 12 Uhr-Gebetszeit, Männer liegen auf ausgebreiteten Teppiche auf dem Boden – das kenne ich auch von Kairo. Heute ist ja auch Freitag - heute spricht der Imam.
Wir geraten an ein nettes Lokal, essen zum ersten Mal wieder Spaghetti.
© Guenter Knoblauch