Auf den Spuren der historischen Bagdadbahn

18.4.06 bis 3.05.06

 Die inzwischen fast schon 100 Jahre alte Trasse mit ihren preußischen Bahnhöfen ist noch immer in Betrieb. Von Istanbul nach Adana an der syrischen Grenze. Damaskus (Syrien) haben wir gestrichen. Von Adana wird improvisiert - Rückflug von Istanbul (Bericht)

Leider gibt es diesmal keine eigenen aktuellen Fotos, da mir in Mersin der Foto gestohlen wurde. Die Fotos wurden aus alten eigenen Beständen, aus Katalogen und von der Homepage von Herrn  Markus Wydera entnommen, der mir dies  freundlicherweise gestattet hat (www.wydera.de/urlaub). Einige kursiv gesetzte Texte sind aus Reiseführern oder dem Internet - die Quellen sind leider nicht mehr nachvollziehbar.

1. Tag   18. April

Leicht verspäteter Abflug mit der Turkish Airline. Da wir nur Handgepäck hatten - in Form von zwei Rucksäcken - waren wir schnell draußen.

In Istanbul scheint die Sonne, 3 Millionen Tulpen grüssen ￿so war es schon Tage vorher dem türkischen Fernsehen zu entnehmen. Hotel in Sultanachmet  per Internet gebucht

Erstes Ziel war die Agentur in Taksim, die für die Reservierung der Tickets für die Eisenbahn zuständig war. Wir laufen über die Galata-Brücke auf die andere Seite der Stadt und fahren von dort aus eine Station mit der Tünel, eine der ältesten Untergrundbahnen Europas. Von französischen Architekten entworfen, wurde die Standseilbahn im Jahre 1875 in Betrieb genommen und überwindet auf einer Strecke von nur 614 m einen Höhenunterschied von nahezu 200 m.

Wir laufen dann durch die Istiklal Caddesi, und kommen so in den modernen Stadtteil Beyoglu. Es ist die moderne Türkei, die sich da zeigt, schöne Geschäfte, alte Gebäude, ehemalige Botschaften, Cafes, Restaurants, ausländische Buchhandlungen.... Die Strasse endet am Taksim Meydani - bis hierher fährt auch die kleine (historische) Straßenbahn - mit der hätte man von der oberen Tünel Station aus auch zum Taksim Meydan fahren können.

Hier also müsste irgendwo Viking Turizm sein – wir fragen einen Polizisten, der vor einem edlen Hotel steht, der wiederum übergibt uns im Hotel der Rezeption und der Verantwortliche erfragt telefonisch die Adresse.

Noch zweimal mindesten türkisch über die Strasse und dann sind wir fast da. Uns zuliebe wird eine englisch sprechende Kollegin geholt und dann können wir recht unproblematisch unsere Tickets bestellen.

Wir laufen dann nach Eminönü bergab – schauen uns an, von wo und wann eine Fähre nach Haidapascha geht, und landen dann am Abend in einem recht frommen Restaurant und beschließen den Abend mit Bier im Tarnglas (damit keiner sieht, was drin ist). 

Die beiden Moscheen werden angestrahlt, es ist ein schöner und im Gegensatz zu später auch noch ein warmer Abend.

2. Tag   19. April

Wir frühstücken oben auf der Terrasse unter dem Dach. Es ist kühl, wir brauchen die Jacken - es ist ja noch April. Dann geht es zum Topkali - der Saatleri wird leider renoviert, der Harem ist erst ab 13 Uhr wieder zu betreten, die Koranlesung in einem der Säle enttäuscht als lautsprecherverstärktes und unverständliches Absingen.

Dann suchen wir nach der Zisterne. Im dritten Anlauf finden wir den Eingang. Die Zisterne kann heute auf einem Holzsteg in ihrer vollen Tiefe durchschritten werden. Lichtspiel, klassische Musik und sogar ein Cafe geben dem feuchten, dunklen Gewölbe etwas Romantisches. 

Wir erholen uns in einem Gartenrestaurant auf der Rückseite der Tauben-Moschee – bei Bier und Baklava. Hier bekommt Günter das Bier in einem blauen Tarnbecher. Aber es laufen hier ja auch jede Menge Kopftuchfrauen herum....

Auf dem Misir Carsi (Basar) neben Blumen, Samen, Katzenfutter zum Abwiegen - auch den Nemo (wer kennt nicht den Film?) entdeckt - in einem Wahnsinnsblau, dazu einen in Gold. Wunderschön......   

3. Tag   20. April

Es weckt ....der Muezzin. Es kommen später aber noch Tage, an denen  wir ihn nicht mehr hören, an denen wir einfach weiterschlafen....Das ist der Tag, an dem in der Früh der Strom weg ist Es kann also erst einmal auch nichts Warmes serviert werden auf der Terrasse.

Aber wir haben ja Zeit und auch der Strom kommt wieder- genau so wie das Wasser später in Alanya.

Gegen Mittag nehmen wir unsere Rucksäcke, laufen in aller Ruhe nach Eminönü und fahren mit der Fähre nach Haydarpasa.

Haydapasa ist schon interessant, am Bahnhof sind Gedenktafeln zum Bau der Bahn angebracht. Die kreide geschriebene Speisekarte vor dem Bahnhofsrestaurant lädt ein. Wir lassen uns nieder im Bahnhofsrestaurant und beginnen mit der Suche nach einem Gericht – nichts von dem, was auf der Tafel vor dem Restaurant stand, gab es.

Ich frage den Kellner noch, ob es in den Zügen etwas zu Essen und zu Trinken gäbe - er bejahte heftig, überzeugend – es entsprach natürlich nicht der Wirklichkeit. Wir hatten eine Notration dabei.

Der Zug in Richtung Konya fuhr pünktlich ab. Im Liegen hatte man das Gefühl, man liegt auf einem Trampolin - es war beeindruckend. Da der Zug auch sehr oft extrem langsam fahren musste oder hielt, kam auch ich irgendwie zum Schlafen.

Die Zisterne von Istanbul

Haydapasa der Kopfbahnhof der historischen Bgdadbahn

4. Tag   21. April

Mit nur einer Stunde Verspätung kamen wir in Konya an. Vor der Einfahrt stand der Zug noch mal länger, da musste erst der Lockführer die Weiche selbst betätigen. Auf die Tatsache, dass der Schaffner von uns ein Trinkgeld wollte, waren wir so recht nicht vorbereitet.

Immerhin scheint die Sonne in Konya, es geht aber immer ein kalter Wind. Diesmal fahren wir mit dem Taxi zum Hotel, da wir nicht sehen, wo die Busse halten.

Ein Mitarbeiter im Hotel, das von einer Frau geführt wird, ist ein junger Mann, der gerade erst von Deutschland eingeflogen wurde. Er wollte nicht, er musste.... Die Eltern sind in Deutschland geblieben und kommen nur im Winter in die Türkei. Für den Sohn haben sie gearbeitet, Grundstücke gekauft und gebaut, deshalb musste der arme Kerl zurück - und dann auch noch nach Konya! Er betrachtet die Stadt als Joke der Türkei und hat auch irgendwie recht. Konya ist eine extrem religiöse Stadt - Mevlana wegen - man trägt Kopftuch, fast durchweg, und lange Mäntel, die jungen Mädchen immerhin aus Jeansstoff, was die ganze Angelegenheit ein bisschen moderner gestaltet.

Meiner kurzen Haare wegen werde ich von einigen Alten meines Alters recht unfreundlich angefunkelt. (http://www.allaboutturkey.com/mevlana.htm)

 

5. Tag  22. April

Heute fahren wir gegen Mittag von Konya mit dem Zug  nach Adana. 6 Stunden Bahnfahrt sind vorgesehen, der Zug hält sich in etwas auch daran. Die Strecke haben wir so gewählt, dass wir sie über Tage fahren können- es ist die interessanteste Strecke, die in etwas dem Verlauf der alten Bagdadbahn entspricht, wobei die wirklich alte Strecke auch mal neben der neueren herläuft. Die Bagdadbahn berührt auf ihren 2000 türkischen Kilometern nur in Konya eine Touristenattraktion. Wäre man vor 30 Jahren diese Strecke gefahren, dürfte es in der Tat für den Touristen sehr viel interessanter gewesen sein.

Wir gehen natürlich gleich ins Mevlana-Museum, die Moschee wird renoviert, ich lege als ein gewisses Entgegenkommen ein Tuch leicht über den Kopf (es ist ja keine Moschee, aber die Leute pilgern ins Museum – für sie ist es ein Heiligtum). Aber ein Mütterchen gibt nicht eher Ruh, bis ich es ordentlich gebunden habe. Daß ein etwa Vierjähriger mit einem Spielzeuggewehr zugange ist in diesem Heiligtum und dass dieses Gewehr in kürzesten Abständen pfeift und kracht, dass wiederum stört keinen. Ein ältere Türke liest ein bisschen aus einem Koran unter Glas. Im Museum wird uns auch klar, was der Aufkleber mit „kible“ auf dem Schrank in unserem Hotelzimmer bedeutet – es ist keineswegs ein Hinweis auf die Firma., es wird damit die Richtung nach Mekka bestimmt.  

Auf bis zu 1 467 Meter windet sich die eingleisige Strecke durch Schluchten, Tunnel und über Viadukte hinauf und folgt dabei der uralten Handelsstraße nahe der Kilikischen Pforte, wo schon Alexander der Große, Griechen und Römer vorbeizogen ....

Die Stecke von Pozanti nach Adana wird als Strecke beschrieben, auf der man kleine Dörfer und Bahnhöfe im deutschen Stil passiert. Die Bahnhöfe sind in der Tat zum Teil auch renoviert und so gehalten, dass man sie ohne weiteres als Modell für eine Modelleisenbahnanlage hernehmen könnte. Bei Ulukisla haben wir den Pass erreicht, die Landschaft wird wieder  weiter, man  sieht zum einen die Berge (Taurus), die Bahn wurde hier in den Fels gehauen,  aber auch blühende Obstbäume, größere Ortschaften. Leider aber auch Berge von Müll in der Nähe von Siedlungen. Hier schon die ersten kurzen Tunnel, der Abstand zwischen den Tunneln ist leider recht kurz, mit dem Fotografieren klappt es nicht so recht, obwohl Günter noch vor Abfahrt des Zuges die Fensterscheibe von aussen zu putzen versuchte. Bei Ciftehan kommt der „Müllmann“ des Zuges durch, der gleichzeitig auch Puffreis verkauft. Einer im Zug liest den Koran - arabisch mit türkischer Erklärung. Wir kommen ja letzten Ende aus Konya. Nach Pozanti Belemedik, wo die deutschen Ingenieure während der Baues dieses Streckenabschnittes  wohnten - eine Ortschaft von heute mit nur noch 6 Hütten und Baracken, die ihre Existenz einzig dem grossen Tunnelbau verdankt, der von hier aus durch die höchste Tauris-Kette ab 1912 gebaut wurde.... Die Geschichte des Baus der Bagdadbahn kann man nachlesen unter http://www.trainsofturkey.com/hist_baghdad.htm

Da oben, wo die Mauern noch stehen, da haben sie gewohnt, die Deutschen. Steinhäuser haben sie sich bauen lassen. Auch ein Krankenhaus. Ein türkisches Bad hatten sie auch und ein grosses Aufenthaltshaus mit einem Kino sogar. Aussen Blumen drumherum... Das war wie im Paradies dort...  Ihre Gräber findet man heute nicht mehr... Der Bauleiter war von der Brücke gestürzt und  dieser Deutscher, der rief noch im Runterstürzen das, was wir immer rufen, wenn was runterf fällt....Warda, aufgepasst, Vorsicht...   Seit der da so abgestürzt ist, heisst sie bei uns die Warda-Brücke. .... Bei  Hacikin  überquert der Zug diese imposante Alman Köprüsü, vermutlich den Warda-Viadukt.

Mevlana Museum

Die Passhöhe vor Pozanti

Bahnhöfe im Deutschen Stil - heute wie vor 80 Jahren

Tunnel hinter Pozanti

6. Tag   23. April

Fahrt mit Bus nach Antakya. Die Busse sind sehr angenehm, durch die Reservierung lässt sich auch immer sehr schnell feststellen, ob alle im richtigen Bus sitzen. Erst einmal geht es über die Autobahn, an 2 Mautstationen vorbei - etwa 3 Std. sind eingeplant für die 191 km nach Antakya. Nach einer Stunde etwa dann über Landstraße, vorbei an Zitronenplantagen, Küstenstraße, ein Stück parallel zur Eisenbahn - vorbei an den Stahlwerken und Ölraffinerien von Iskenderun. In der Bucht von Iskenderun liegen zudem militärische Häfen der türkischen Armee und der Nato. Umweltverschmutzung dementsprechend.

13 km von Iskenderun entfernt  überqueren wir den 750 m hohen Belen-Pass, der schon im Altertum ein wichtiger Punkt auf der Route von Anatolien nach Syrien war.

Antakya:

Wir suchen ein Hotels. Wir irren ein bisschen in der Gegend rum, treffen auf einen deutsch sprechenden Besitzer eines sehr schönen Restaurants, der uns einen brauchbaren Tipp gibt.

Antakya war im Altertum eine Weltmetropole. ....Von der antiken Bebauung ist jedoch nichts geblieben. Dafür entschädigen arabische Architektur und lepröse Jugendstilfassaden im bunten Nebeneinander die enggassige Altstadt ist eine der schönsten und ungewöhnlichsten in der Türkei.....

Das orientalisch pulsierende Basarviertel konnten wir so recht nicht geniessen, da zum Sonntag alles mehr oder weniger geschlossen war und wir am Montag doch schon recht zeitig aufbrechen mussten und wollten. Der jenseits des Flusses Asi liegend Teil der Stadt ist modern, angenehm anzuschauen. Vorher waren wir im Mosaik-Museum, welches wirklich sehr schön ist.

....Das Mosaikenmuseum von Antakya ist eines der angesehensten seiner Art in der Welt, dafür liegt es aber auch am Ende der Welt, kurz vor der syrischen Grenze. Wer sich dahin aufmacht, bekommt als kostenlose Dreingabe ein symphatisches Mulit-Kulti-Städtchen, wo Türken und Araber, Muslime und Christen in friedlicher Nachbarschaft leben.....

Mosaikenmuseum von Antakya

Anthakya im Altertum

7.Tag  24.April

Wir vertrauen uns wieder dem Busunternehmen HAS an, später fahren wir auch mit AKDENIZ und ZAFER - da geht es um die kürzeren Strecken an der Küste. Bemerkenswert die Tatsache, dass die Busfahrer durchweg mit weissem Hemd und Krawatte am Steuer sitzen. HAS scheint sehr auf Äusseres zu achten, im Warteraum am Busbahnhof wird ein dort eingeschlafener Mann geweckt und gerügt, sie wollen vermutlich nicht den Anschein einer Pennerstätte erwecken. Im Bus gibt es Kaffe oder Tee. Manchmal auch etwas zum Essen.

Wir rollen wieder,  diesmal in Richtung Mersin.

...Mersin ist eine wohlhabende Provinzhauptstadt mit schnurgeraden Boulevards und dem nach Istanbul und Izmir drittgrössten Hafen des Landes. Vor einigen Jahren wurde die Stadt in Icel umbenannt, eine Tatsache, die nahezu alle Türken ignorieren.

Günter entdeckt eine Pension, ein Hotel, das man nur im Vergleich zu Indien als ordentlich bezeichnen kann. 

Im Hotel stellt Günter fest, dass ihm der kleine digitale Foto aus der  Fototasche gestohlen wurde, die er am Gürtel trägt. Am Busbahnhof wurden wir von einem Taxifahrer gefragt, ob wir seine Dienste brauchten, wir wurden umringt von 2 Kindern, die ziemlich aggressiv Papiertaschentücher zum Verkauf anboten. Günter spürte die Kinder sehr stark in seiner Nähe, aber das war eigentlich das Normale. Wir waren dabei, das Gepäck umzupacken.

Na ja, ein junger Mann aus dem Hotel, der vorgab, Englisch zu sprechen, brachte uns zur Polizei, wo der eine meinte, der andere könne Englisch bzw. Deutsch. Wir  bekamen den obligatorischen Tee. Die potentiellen Tatverdächtigen konnten wir nicht im Detail beschreiben, sondern nur die Tatsache melden. Was die Leute relativ kalt liess, da von den Türken selbst die meisten wissen, dass in Mersin sehr viel gestohlen wird. Also leider keine eigenen Fotos von der Reise.  Hayat böyle...

8.Tag     25. April

Diesmal geht es mit dem Dolmus zum Busbahnhof - im Dolmus spricht uns ein Mann an und warnt uns vor Dieben in Mersin. Kam leider zu spät. Immerhin.... Auf dem Busbahnhof schiebt er uns gleich in einen gerade nach Silifke abfahrenden Bus. Silifke ist eher wegen seines Hinterlandes interessant. Im Göksu ist ja auch Barbarossa ertrunken. Wir sehen die Kizkalesi im Wasser In Silifke angekommen, suchen wir nach Reiseführer ein Hotel. Abends dann kommen wir auch an einer Bierbude vorbei, die total im Dunkeln liegt - so ganz einfach ist es  eben doch nicht mit dem Biertrinken.

9. Tag   26. April

Heute Weiterfahrt nach Anamur - dem südlichsten Ort der Türkei.

Die Landschaft auf der Strecke verspricht interessant zu werden. Zumindest ist es recht kurvenreich, streckenweise sieht man wieder das Meer, dann hält der Bus an der Landstrasse, Möbel werden geladen, halt soviel wie reingeht. Der Fahrtbegleiter bietet Tee an, Nescafé und Posets. Wir fahren wieder am Meer entlang, die Pflanzenwelt gleicht der Italiens oder Korsikas. Pinienwälder, Ziegen im Wald...

Am Busbahnhof erwartet uns der rührige Inhaber einer Pension, wir aber nehmen erst den Weg zum Fremdenverkehrsamt. Der Beamte schlief eigentlich gerade, konnte uns dann aber wohl ein paar Infos mitgeben. Dann lassen wir uns doch überreden und gehen zur in der Nähe das Busbahnhofes gelegenen Pension. Die Frau des Unternehmens ist recht erstaunt, da sie noch beim Weißeln sind, aber wir bekommen ein ordentliches Zimmer, diesmal mit einem ordentlichen Bad.

...Das Zentrum des Städtchens 4 km abseits der Küste ist weder anziehend noch abstoßend, nur langweilig. Der Touristenrummel spielt sich weiter südlich ab, im neuen Ortsteil Iskele mit weiten, einladenden Sandstränden....

Auch hier eine Riesenburg Mamure Kalesi, die Stadt war in römisch-byzantinischer Zeit des bedeutendste Zentrum des Rauen Kilikiens. Es profitierte von der fruchtbaren Umgebung und seiner Stellung als wichtiger Hafen nach Zypern.

Was beeindruckt, ist die Tatsache, dass  junge Leute in Bus und bahn noch aufstehen und ihren Platz anbieten. Ein junger Mann bietet einem jungen Mädchen seinen Platz an und als ich einer dickeren jungen Frau mit Kind meinen Platz anbiete, macht sich Unzufriedenheit breit unter den etwas Älteren und zwei junge Mädchen bieten mir wiederum ihre Plätze an.

Das war dann doch recht ungewohnt.

10. Tag  27. April

Frühstück im frisch geweisselten Raum - hier sind halt Frauen am Werk. Heute geht es weiter nach Alanya. Es wird noch einmal eine schöne Fahrt - es geht durch eine der schönsten Abschnitte der Südküste. Die Strasse steigt in Serpentinen auf und ab und bietet schöne Ausblicke. Nicht jeder verträgt diese kurvenreiche Strecke, es werden wieder Pos(ch)ets angeboten.

Im Bus selbst ist das Telefonieren per Handy verboten, der Busfahrer aber telefoniert auch beim Überholen damit.

In Alanya machen wir uns dann auf den Weg in die Stadt- auf der Suche nach einer Unterkunft, erst burgwärts, weil von dort die Aussicht schöner und der Blick auf die Altstadt erhebend sein soll. Im Reiseführer ist noch von osmanischen Häusern die Rede, die sich an die Hänge des Burgberges klammern. Abgesehen davon, dass es da oben keine Pensionen gibt, ist der Blick, wie vorauszusehen war – aufgrund der Sat-Schüsseln und Solaranlagen - zwar ein ganz besonderer, aber kein wirklich schöner.

Wir laufen wieder nach unten, an Hotels vorbei und finden dann in einem nur zweigeschossigen Hotel direkt vor dem Strand ein sehr schönes Zimmer mit Balkon und Blick aufs Meer.  (Alaaddin Beach Hotel, Alanya Nr. 209, Atatürk Caddesi Nr. 183).

Wir gehen in die Stadt, sehen mit Erleichterung, wie ein Händler Kinder verjagt, deren Aktion nicht ganz klar war. Hier sind sie also doch vorsichtiger.

Sprache: Im Landesinneren und östlich Alanya eigentlich nur Türkisch - Uta lernt ja seit Jahren fleißig Türkisch - so gab es keine Probleme. Sonst an der Küste / Istanbul in den Touristenzentren kommt man  gut mit Deutsch und Englisch zurecht. Es geht aber auch ohne alles. Die Menschen sind sehr hilfsbereit.

...In gut hundert Meter Höhe überquert die Bahn eine wüste Schlucht auf dreifachem Bogenwerk. Stabil ist das, aus Bruchsteinen gemauert. Im Stil römischer Wasserleitungen...Seitwärts in den Felshängen sehen wir Höhlen, Reste der früheren Schmalspurbahn. Nicht weit von hier ertrank am 10. Juni 1190 Friedrich I. Barbarossa – auf dem dritten Kreuzzug...... 

Der  in den Fels geschlagene Tunnel – ein  System von Tunneln gewissermassen - gilt als der längste Galerietunnel des Orient (20 km.  Die Ausblicke sind atemberaubend für den, der die Berge noch nicht kennt.

Jetzt sind wir aus den Bergen raus – es geht zum Mittelmeer. Die Bahn fährt nur noch wenig über dem Meeresspiegel , bleibt aber stets 50 km von der See entfernt. 50 km weit reichten damals die Schiffsgeschütze der Engländer....

Unspektakuläre Ankunft in Adana. Wir folgen dem aus dem Reiseführer kopierten Plan und landen zufällig in dem Hotel, in dem Uta auf ihrer ihrem Kappadokientrip schon einmal übernachtet hat.

Im Museum fragen mich drei junge, hübsche Mädchen  mit dem üblichen Satz „Where are you from „ und reagieren leicht verwirrt auf meine türkische gestaltete Antwort.

Am Abend steigen wir dann hoch ins wirklich arabische Viertel. Enge, alte Gassen, vergitterte Fenster, arabische Inschriften, der Händler mitten im Wohngebiet, offen, obwohl es Sonntag ist. Die Strassen tragen Namen wie „Barbarossa sokak“ ....

Günter interessiert sich für die Tershane (Werft), die einzige seldschukische Werft, die sich bis heute erhalten hat – wenn man hineinklettert, sieht man, dass die Galerien zum Bau und Warten der Schiffe bis zu 42 m tief in den Felsen gehauen wurden. Unweit der Werft ist der rote Turm (Kizil Kule)  - faktisch an der Einfahrt zum Hafen, zum Schutze desselben und der Werft errichtet.

11. Tag   28. April

In der Früh geht es auf die Burg - das Wahrzeichen der Stadt das auch nachts effektvoll beleuchtet wird. Abstieg zum hafen, Station in einem Restaurant mit Blick aufs Meet. Die Musik , die zu hören ist, ist angenehm. Der Sänger ist ein gewisser Kutsi,

Wir machen uns auf den Weg nach einer Agentur der Türkish-Airline. Wir wollen die Tickets für Antalya-Istanbul buchen. Vor dem nächsten Regenguss machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant und stossen auf das Angora Beach Hotel. Es wird im Garten vorm Hotel serviert, das Personal kühn genug, Schürzen zu tragen, die fast nackte Frauen zeigen. Angesprochen auf diese Tracht in Konya, meinte einer, da würden sie ja sofort ins Jenseits befördert werden. Also kennt man das Problem Konya auch hier.

Es macht Spass, dort zu sitzen - das Personal scheint gern zu arbeiten. Wir essen Spaghetti - die Dekoration des Essens erinnert an Thailand, sie haben auch den Salat derart dekoriert - eine Gurke als Tulpe, drin eine Karotte als Krone, Zwiebelringe, in der Mitte auf einer Gurke eine kleine Kerze. Es wirkt sehr ansprechend und sieht nicht nur gut aus. Es macht gute Laune und es schmeckt auch und ist nicht  teuer.

12. Tag   29. April

Zu Fuss zum Otogar (Busbahnhof) - ist alles kein Problem mit den Rucksäcken. Heute geht es nach Antalya. Apartmenthäuser und Hotels ziehen sich kilometerweise die Buchten entlang. Massenunterkunft an Massenunterkunft hinter einem renntauglichen, stark befahrenen Strassenboulevard....30 km lang. Wir wandern wieder zur Pension, in der wir im letzten Jahr schon gewohnt haben. Antalya hat sich verändert, neue Parkverbote, mehr Platz in den Gassen - es ist viel  sauberer und ruhiger geworden, vielleicht liegt es auch an der vorgezogenen Jahreszeit, es sind noch nicht so viele Jugendliche und Touristen im Ort. Wir essen in einem eigentlich modernen Restaurant in der Nähe der Strassenbahn – wir essen nicht schlecht, nur gibt es wieder mal kein Bier und Ayran als Ersatz finden wir dann doch nicht passend.

13. Tag  30. April

Bummeln noch mal durch die Altstadt, es gibt noch jede Menge Häuser, die auf eine Renovierung warten, es wurde aber schon sehr viel gebaut und renoviert, unterwegs stossen wir wieder auf den jugendlichen Helden vom letzten Jahr, der angeblich für irgendeine Schule Geld haben wollte, indem er türkische Papierfänchen verkauft.

Am Abend dann ins Restaurant - wir sind nahezu die einzigen Gäste, essen auch recht bescheiden, es kommt zu einem Gespräch mit dem Inhaber. Sein Statement: ist das  Wetter schlecht, kommen die Stadttouristen, dh. die kühleren Monate sind die besseren für die Gastronomie.

14. Tag   1. Mai

Die Leute arbeiten heute nicht - oder sagen wir mal manche nicht - die Geschäfte sind geöffnet. Wir nehmen ein Taxi zum Flughafen, der Fahrer gibt vor zu verstehen, was wir ihm sagen, er versteht es aber nicht und wir landen prompt am Flughafen für internationale Flüge. Die Fahrt zum Domestic Airport erhöht natürlich den Preis.

Wir fliegen mit Atlanta Jet nach Istanbul.

Wir fahren mit Metro und Strassenbahn nach Sultanachmet - das Hotel, was wir erst eingeplant hatten, ist ausgebucht – wir finden dann noch ein nettes Gästehaus/Hotel, das von einer Holländerin verwaltet wird. In Istanbul ist es nicht gerade warm, es ist kälter geworden,  zudem weht auch hier ein kühler Wind. Die Tulpen sind zum Teil verblüht . 

15. Tag   2. Mai

Heute fahren wir nach Emnönü und laufen nach Dolmabahce Saraysi – dh. über die Brücke  nach Besiktas, am Bosporus entlang. Dolmabahce Sarayi. Bis zur Ablösung des Osmanischen  Reiches durch die türkische Republik residierten hier die Sultane. Atatürk, der im Palast wohnte, wenn er sich in Istanbul aufhielt, starb hier.

Früher war hier eine kleine Hafenbucht, die bei der Eroberung von Istanbul Berühmtheit erlangte - Mehmet Fatih liess von hier aus seine Schiffe über Land ins Goldene Horn tragen, um die byzantinische Sperrkette zu umgehen. Später wurde das Gebiet als Vergnügungsgarten genutzt. Ahmet I. liess die Bucht jedoch mit Steinen auffüllen, hier sollte ein grösserer Garten mit Kösk für heisse Sommertage entstehen. Die künstliche Aufschüttung verlieh dem Gebiet den Namen. (Gefüllter Garten). Der neugebaute Pavillon diente fortan als Sommerresidenz der Sultane....

Die Anlage ist sehr gepflegt, am Eingang die üblichen Sicherheitskontrollen, viel Polizei auch in der Anlage ans Wasser zu gehen ist verboten.

Mit der Fähre zurück da hätten  wir eine Stunde Wartezeit gehabt, so entscheiden wir uns für den Bus nach Aksaray.  Der Verkehr ist brutal, die Haltestellen oft an den unmöglichsten Stellen, wäre bei uns aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt. Potentielle Passagiere mit Kindern auf dem Arm laufen zwischen den haltenden und anfahrenden Bussen herum - irgendwie passiert aber nichts. Ich sah nur eine Frau, die mal von einem Taxi leicht angefahren wurde und die sich entschuldigte, weil sie die Schuld trug.

Es ist immer wieder umwerfend zu beobachten, wie gelassen Autos rangiert werden, die zwischen parkenden Autos stehen, aber vor denen weg müssen. Alles im stärksten Verkehr auf der Hauptstrasse, auf der auch noch die Strassenbahn fährt.

Wir kommen zum Eingang vom Kapali Carsi. Zum Bücherbasar, der auch viel Religiöses anbietet.

16. Tag  3. Mai

Wir reisen heute ab, aber erst am Nachmittag, so bleibt noch Zeit für Spaziergänge. Für einen Stadtbummel durch Strassen, die wir noch nicht kennen, bevor wir uns auf den Weg machen in Richtung Flughafen- diesmal mit Strassenbahn und Metro.

In der Metro telefoniert ein Passagier mit dem Handy, er wird mit einem Halbsatz zurechtgewiesen und steckt das Handy weg. Ist immer wieder erstaunlich, wie das noch funktioniert.

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Unter dem Strich: Eine interessante Reise und, eigentlich könnten wir auch mal spontan für 3 - 4 Tage nach Istanbul fliegen – einfach so zum Bummeln und Schauen – denken wir uns auf dem Rückflug.

Die seldschukische Werft von Alanya

Allgemeine informationen:

Gesamtkosten – etwa 1.580 Euro

Flug  Muc-Istanbul-Muc 560 Euro                              

Essen 276 TKL, Eintritt 68  TKl  Hotel    443 TKL  + Hotel 190 € Bahn/Flug/Bus/Taxi – 480 € (Flug Antalya- Istanbul 120 Euro)