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8. Tag  -  Mittwoch, der 15. April

Heute stehen uns 571 km bevor - es geht nach Shiraz.  Wir haben durch die Fahrt mit dem Auto auf jeden Fall ein sehr gutes Gefühl für das Hochland mit seinen Wüsten, seinen Bergketten, aber auch mit seinen Industriegebieten und Agrarflächen bekommen. Beim Verabschieden bekommt auch der Salzburger auf die Schnelle die App auf Handy installiert, die es ihm erlaubt, die im Iran gesperrten Webseiten und Mailkonten zu öffnen.

Wir fahren bergan, passieren Sirjan auf 1.742 m Höhe. Es wird hügeliger und kurvenreicher, leider auch dunstiger - zum Fotografieren fehlt oft ein bisschen blauer Himmel. Wir fahren durch Neyriz und halten an der Jame-Moschee. Hussein hat Wasser und Kekse dabei, wir erholen uns also bei einem kleinen Picknick. Die alte Moschee hat zwei Iwane, von denen einer ein tiefes Tonnengewölbe besitzt, das mit einem der schönsten Mihrabs  aus dem 12. Jhd. mit verschlungenen Stuckinschriften geschmückt ist. Bärtige aus der Moschee kommende Männer grüßen uns mit einem „Welcome in Iran“.

Auf der Weiterfahrt genießen wir die sich uns bietende gewaltige Bergkette. Uns bleiben noch 175 km bis Shiraz, der Heimat von Hosein. Die Landschaft wechselt, es wird grüner, Bäume und Büsche wurden gepflanzt, Ziegen und Schafe auf kargem Boden. Ebenfalls mitten in der Wüste, etwa 80 km von Shiraz entfernt, halten wir bei Sarvistan, wo sich das Mausoleum des Sheikh Yussuf Sarvestani  aus dem 13. Jhd. befindet. Dem Gästebuch ist zu entnehmen, daß  heute schon 3 große deutsche Gruppen vor Ort waren.  Wir sind eigentlich sehr selten auf eine derartige Ansammlung von  deutschen Touristen gestoßen. Nach reichlich 8 Stunden erreichen wir Shiraz - wieder begrüßt uns viel Grün, wir sehen aber auch gleich wieder, daß hier auf den Boulevards der an Regeln gewöhnte Fußgänger erst einmal nur geringe Chancen hat. Mit Gruppe ist das Drohpotential dann etwas größer. Wir sind im Hotel angekommen, das in der Rezeption einen edlen Eindruck macht. Die jungen Damen an der Rezeption sehen recht modern aus - mit dem  geschickt getragenen schwarzen Tuch.

Nach dem Abendessen gehen wir allein zum Basar. Unser Hosein - sehr in Sorge um uns - bringt uns dann doch mit dem Auto noch bis zum südlichen Eingang des Vakil-Basars. Wir müssen diesmal  lediglich 2 Straßen überqueren.

9. Tag  -  Donnerstag, der 16. April

Neben dem Hotel ist eine Baustelle. Günter ist sich nicht sicher, ob das Ganze auch stabil genug sei, um ein potentielles Erdbeben zu überstehen. Hosein  beginnt mit  der Stadtführung durch die Stadt, die wegen ihrer vielen Gärten und Parks als die Stadt der Rosen und der Nachtigallen bekannt ist. (Den Wein haben die Mullahs aus dem Programm genommen, zumindest in der Öffentlichkeit). Die Stadt gilt gleichfalls als Stadt der Dichter, da sich hier die Grabanlagen der bei allen Bevölkerungsschichten  verehrten Dichter Hafiz und Saadi befinden. Hussein führt uns als erstes zur Nasr-o-Molk- Moschee. Der vielen pinkfarbenen Mosaiksteine wegen wird sie  auch die Pinkfarbene genannt. Die westliche Wintergebetshalle mit ihren bunten Glasfenstern gehört wohl zu den schönsten ihrer Art. Im Hintergrund des gegenüber gelegenen  östlichen Gebetssaales liegt der Zugang zur  unterirdischen Qanat-Wasserleitung.

Unterwegs spricht mich ein Schulmädchen an – woher, wohin usw. Als ich Deutschland erwähne, meint sie ganz lieb, daß das eine schöne Stadt sei, sie wüsste das. Das nächste Highlight ist eine Mittagspause in einem Teehaus auf dem Vakil-Basar. Wir sitzen oben und kosten vom Shirazer Glasnudeleis – entweder sind die Glasnudeln aus Reisstärke  oder aus Weizen, wie es  Hosein meint. „Faludeh„ heißt es und ist  mit Rosenwasser und Limonensirup zubereitet. Ich hatte vorher schon ganze Frauengruppen bewundern können, die alle ihr Faludeh genossen. Wir trinken Tee mit Kandiszucker, im Raum über der Tür ist ein Vogelnest - es war am Anfang nicht ganz klar, ob es auch echt sei - der Vogel - eine schmale Taube -  rührte sich kaum. Am Schluß kommt noch der Chef des Hauses nach oben und bittet um ein Foto von uns für seine Kundengalerie. 

Als nächstes steht die Vakil-Moschee auf dem Programm, eine der größten Moscheen des 18. und 19. Jhd. In ihrer Ausstattung ist die Moschee farblich zurückhaltender, allerdings werden Pflanzen realistisch dargestellt und nicht wie üblich stilisiert. Die  große südliche Gebetshalle enthält 48 Marmorsäulen und erinnert damit an die Mesquita in Cordoba. Der vierzehnstufige Mimbar ist aus einem Marmorblock herausgearbeitet. Vorher hatten wir noch die Madrese Khan besucht, den Sitz der berühmtesten traditionellen theologischen Hochschule von Shiraz. 

Die Zitadelle, die für uns eine gewisse Orientierungshilfe war auf dem Weg zum Hotel, hat 15 Meter hohe Rundtürme an den Mauerecken. Der Innenhof ist wieder mit Wasserbecken und Grünanlagen ausgestattet. Das Sha–Cherag-Heiligtum enthält den drittheiligsten Schrein der Schiiten im Iran. Hinter den mit Fliesenornamenten in überwiegend blauen Farbtönen verzierten Portalbau  befindet sich der weite Innenhof, an dessen rechter Seite sich das Hauptgebäude mit säulengestützter Vorhalle anschließt. Darüber erhebt sich die blau geflieste große Kuppel in der für Shiraz typischen Knospenform. Im Mittelpunkt des Raumes steht der mit einem silbernen Gitter geschützte Schrein. Die Innenräume sind mit  prächtigen Spiegelmosaiken ausgestattet. Hier musste ich den geblümten Tschador tragen, der für solche Besuche vorgesehen ist. Ich sah mir den Schrein vom für die Männer vorgesehen Teil an, aber auch dann im kleinern der Frauen. Die Trennung nach Männern und Frauen beim Eingang ist wohl nicht mehr nötig. Zumindest hatte es Hosein so gesagt, die anderen Touris hielten sich noch daran. Der Raum um den Schrein wirkt wirklich sehr beeindruckend.  Unser nächstes Ziel ist der Eram-Garten - 3 km vom Stadtzentrum entfernt. Nachdem Nasre-w-Molk das Gartengelände einem Qashqal-Häuptling abgekauft hatte, ließ er sich Ende des 19. Jhd. einen dreistöckigen Palast erbauen. Der Garten ist von Wasserläufen durchzogen, mit Zypressen, Pinien, Palmen und Orangenbäumen bewachsen. Hinzu kommen den Jahreszeiten entsprechende Pflanzen. Wir ruhen uns aus, genießen. Und legen im Hotel eine Siesta ein. Am Abend fährt uns Hosein zum Hafiz-Mausoleum. Die Schlange der Wartenden an der Kasse ist lang, aber wir kommen sofort durch, zahlen wir ja auch ein Mehrfaches des Preises wie für die Einheimischen. Und es ist wieder wunderschön. Unter einer baldachinartigen Kuppel, die innen mit Fliesenmosaiken geschmückt ist, liegt der Alabastergrabstein mit eingravierten Inschriften. Die Dichtkunst von  Hafiz wurde auch von Goethe zutiefst bewundert, der Hafiz im „West-östlichen Diwan“ ein literarisches Denkmal setzte. 

Es ist richtig romantisch, es ist dunkel,  viele junge Leute sind recht locker beisammen, es gibt auch ein kleines Teehaus im Park. Ein wunderschöner Abschluß des mit Besichtigungen reich gesegneten Tages. Und noch etwas Besonderes steht heute Abend an: das Essen im Restoran-e Haft Khan. Im Reiseführer ist zu lesen: Sehr empfehlenswert, etwas teuer, aber angemessen. Das Restaurant bietet auf mehreren Stockwerken Gerichte an - es gibt ein all-you-can-eat buffet, ein fast-food-restaurant – wir landen auf dem Stockwerk, wo iranisch Traditionelles und Internationales angeboten wird - auf dem Dach dann gibt es noch ein Teehaus. Es wird ein schöner Abend - allerdings hätte da ein Glas Wein auch gut gepasst - vor allem, da wir ja in  Shiraz sind.

10.  Tag  -  Freitag, der 17. April

Es  geht in Richtung Persepolis und wir werden mal ganz urig wohnen. Es sind heute nur 55 km nach Persepolis.  4 km nördlich von Persepolis - am Hoseyin Kuh Berg, liegt Naqsh-e Rostam, die Nekropole der Achämeniden. Ihre Felsengräber entsprechen denen, die sich oberhalb der Terrasse von Persepolis befinden. Etwa 200 m davon entfernt findet man noch von Zarathustriern errichtete Feueraltäre, in denen vermutlich auch Knochenreste aufbewahrt wurden.

Jetzt fahren wir nach Persepolis, beziehen Quartier in einer kleinen Anlage unweit der „Stadt der Perser“. Es ist sehr heiß, am Parkplatz ist alles überfüllt, die Busfahrer sitzen in den Gepäckfächern und rauchen Wasserpfeife. Wir beschließen, uns erst so gegen 16.30 Uhr auf den Weg zu machen. 

Die um 518 v.Chr.  von Darius I, gegründete Repräsentationshauptstadt liegt auf einer Höhe von 1.620 m am Fuß des Berges Kuh-e Rahmat. Die Anlage diente damals auch der Feier des Neujahrsfestes, an dem Abgesandte aller Völkerschaften des Reiches teilnahmen. Im ebenerdigen Bereich von Parsa standen Lehmziegelhäuser im Westen und Paläste der Adeligen südlich der Terrasse. Die Palastanlage war zur Bergseite durch eine Mauer abgesichert.   Hier lasse ich einfach die Bilder sprechen….

Um 330 v. Chr. ließ Alexander der Große in Persepolis Brände legen, bei  Ausgrabungen fanden sich entsprechende Spuren im Apadana-Palast sowie am Schatzhaus und am Hundert-Säulen-Palast. Der Xerxes-Palast schien gezielt zertrümmert worden sein.

Auch hier auf dem Gelände wurden wir immer herzlich willkommen geheißen, ein Mann schüttelt  mir sogar die Hände, um mich zu begrüßen. Da kaum noch größere Gruppen durch die  Anlage liefen, waren  auch die kleinen um money, money  bettelnden Afghanen nicht mehr aktiv. Rührend anzuschauen, wie junge Väter ihren zum Teil noch sehr jungen Nachwuchs, in Decken eingeschlagen, tragen. Kinderwagen sieht man so gut wie nie. 

Nach dem Abendbrot besucht uns Hosein und bringt uns ein paar nicht ganz erlaubte Leckereien und Selbstgebrannten von daheim mit. Den Kuchen hatte seine Schwester gebacken. Wir diskutieren über das Buch „Iran Interrupted“  von Heidemarie Minda. Hosein hatte mit gearbeitet an diesem Buch.

11. Tag  -  Samstag, der 18. April

Zum Frühstück gibt es fast „richtiges Brot“- in unserem Sinne natürlich. Es ist draußen auch noch angenehm frisch. Unsere Destination ist heute Esfahan - es sind ungefähr 335 km zu bewältigen. Der erste Halt -  Pasargadae, das auf 1850 m liegt. An diesem Ort siegten die Perser im Jahre 550 v. Chr. über die Meder, und Kyros (Kurosh) der Große ließ daraufhin  eine Residenzstadt errichten. Wir fahren durch ein weites Tal, passieren einen Autobus aus Teheran mit der Aufschrift „God speed“, in Teheran direkt hatten wir „God only“ „gesehen, was Günter erst mal zur falschen  Deutung des zu transportierenden Inhalts verführte. Wir befinden uns jetzt in der Provinz Fars. Und hier bilden die turkstämmigen Qhasqai-Nomaden einen bedeutenden Bevölkerungsanteil.  Wir fahren über das „Dach von Persien“, befinden uns auf 2.000 m Höhe und erfahren, daß das Gebiet auch „Nomadentod“ genannt wir, da der Kälte wegen viele dieser Nomaden den Winter oft nicht überleben.

Den nächsten Halt machen wir in Izadkhast, einem Ort, der sich in einer Senke verbirgt und viel Interessantes zu bieten hat. Auf einem aufragenden Felsrücken befinden sich dort die Ruinen eines befestigten Dorfes, das aus sassanidischer Zeit stammt. Wenige hundert Meter östlich davon liegt in malerischer Lage vor einer Felswand eine typische Hofkarawanserei mit Portalbau und vier Iwanen. Es ist furchtbar windig und recht kühl, aber wir steigen in diese alte und wirklich interessante Stadt.

Isfahan: Im Hotel schenkt man uns Rosen, aber hat keine Zimmer für uns. Wir werden dann doch noch  weitergereicht - in ein Hotel, das einen Stern mehr aufzuweisen hat. Die Rosen lassen wir liegen. Es liegt recht zentral, der Imam - Platz und die Si-o-sePol (die Brücke mit den 33 Bögen) sind zu Fuß zu erreichen. Wir sind die ersten am Buffet und das ist gut so. Das Angebot ist fantastisch.

12. Tag  -  Sonntag, der 19. April

Isfahan liegt auf einer Höhe von 1.575 Metern. Das und die nahe Flusslandschaft beschert der Stadt  ein angenehmes Klima. Selbst bei 40 Grad soll es der Lufttrockenheit wegen erträglich sein. Die Stadt ist bekannt für Kupferwaren, Teppiche, Stoffdrucke, Miniaturmalereien, Holzeinlegearbeiten.

Isfahan kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken, eine Zeit von Zerstörung und Wiederaufbau. Ein Tiefpunkt war die Einnahme durch Timur im Jahre 1387. Sie kostete wohl 70.000 Einwohnern das Leben, Baumeister und Handwerker ließ Timur nach Samarkand umsiedeln, wo viele von ihnen bei der Errichtung der dortigen  Prachtbauten eingesetzt wurden. Davon konnte ich mich überzeugen, als ich in Usbekistan war. Die Blütezeit der Stadt begann, als sie Ende des 16. Jhd. Hauptstadt des Safawiden-Reiches wurde. Die Stadt wurde damals zu einer der bevölkerungsreichsten Städte der Welt. Damals wurde der stolze Satz geprägt “Esfahan nesf-e Jahan“ „Isfahan ist die Häfte der Welt“. Isfahan war die wichtigste Handelsstadt Persiens und ausländische Händler und Gesandte gehörten zum Stadtbild. Später traten Städte wie Teheran und Täbriz in den Vordergrund, Isfahan bliebe aber einer der wichtigsten Handelsplätze und sein Großraum entwickelte sich in den letzten 50 Jahren  zu einem der führenden Industrie- und Bildungszentren des Landes.

Um Isfahan genießen zu können, brauchte es wohl mehr Tage. Immerhin  können  wir doch in aller Ruhe - nur zu zweit mit unserem jungen Guide - die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt kennenlernen. Wir werden zuerst zum Hasht-Behesht-Palast gefahren, zum Palast der acht Paradiese. An drei Seiten werden die Fassaden durch Terrassen mit hohen Zedernholzsäulen unterbrochen und an der vierten Seite befindet sich ein hoher Iwan. Im Gebäudemittelpunkt - wo sich Terrassen und Iwan treffen -  sorgt ein Wasserbecken für Kühlung. Der Palast befindet sich im Rajayi-Park, der auch  als Nachtigallen-Garten bekannt ist.

Der nächste Programmpunkt führt uns zum Imam-Meydan, Imam-Platz, der 1602 angelegt wurde und zum UNESCO Welterbe gehört. Mit 510 mal 160 Metern ist er nach Pekings Tiananmen-Platz der größte Platz der Welt. Er wurde in safawidischer Zeit nicht nur für Paraden und Versammlungen, sonder auch für Polospiele  und andere unterhaltsame Veranstaltungen genutzt. Der gesamte Platz ist von Arkadengängen umgeben, in denen sich Geschäfte und Werkstätten befinden. Am Südende die imposante Imam-Moschee, an der Ostseite die herrliche Lotfullah-Moschee, der Bazar am Nordende und an der Westseite der Ali-Qapu-Palast. Die Imam- oder JameAbassi-Moschee gilt als eines der Meisterwerke islamischer Baukunst. Das Portal am Imam-Platz ist zur eigentlichen Moschee hin in einem Knick angelegt, um die Gebetsrichtung des Mihrabs nach Mekka einzuhalten.

Durch den Basar gehen wir zur Lotfullah-Moschee, die auch als Frauenmoschee bezeichnet wird, da hier auch die Damen des königlichen Gefolges zugelassen waren. Sie ist nach einem Theologen aus dem Libanon benannt, der damals die schiitische Glaubensrichtung im Iran verbreitete. Sehr eindrucksvoll die Inschriftenbänder in feiner Thulth-Schrift  an der Außen- und Innenkuppel sowohl auch über dem Eingang, die von einem  der bekanntesten Kalligraphen der damaligen Zeit geschaffen wurde. Auch hier führt vom Eingangstor her ein gewinkelter Korridor zum Gebetsraum.

Draußen  herrscht nun  reges Leben - es geht auf Mittag zu - Fiaker und E-Busse  fahren Touristen über  den Platz, man sieht Familien, die auf den Wiesen ein Picknick veranstalten, wobei zu bemerken ist, dass hierzulande keiner  Müll zurücklässt. Wir werden fotografiert, freundlich gegrüßt, eingeladen…

Von der Veranda des Ali-Qapu-Palastes kann man den Imam-Platz gut überblicken. Der 48 m hohe Bau bildet vom Meydan her den  Zugang zum westlich des Platzes gelegenen safawidischen Palastbezirk. Die Veranda mit 18 Säulen, die ursprünglich mit Spiegeln verkleidet waren, um den Eindruck zu erwecken, daß das Dach frei in der Luft schwebe, ist das Hauptmerkmal des Palastes. Im 5. Stock, der über 72 relativ hohe Stufen zu erreichen  ist - vor mir müht sich eine ältere Araberin mit Hinweis darauf, daß sie womöglich der Schlag treffen könne angesichts der Treppen – befindet sich ein zentraler Saal, dessen Wände durch viele flaschen- und vasenförmige Gipsnischen aufgelockert sind, was ihm eine sehr gute Akustik verleiht. Von der Veranda aus beobachteten der König und sein Hofstaat Veranstaltungen und Vorgänge, vor allem auch Polo-Spiele  auf dem Platz.

Wir brauchen eine Pause und besuchen ein Teehaus am Basar, das den Namen „Familiy Lodge“ trägt. Der Haupteingang zum Teehaus befindet sich eigentlich auf der Hofseite und sieht nicht wirklich einladend aus. Drinnen erwartet uns ein Fotoverbot, vermutlich der Wasserpfeife rauchenden Gäste wegen. Es gab Zeiten, da war das Rauchen von Wasserpfeifen in Restaurants verboten, jetzt aber haben wir immer wieder gesehen, daß geraucht werden konnte. Das Teehaus  ist wunderschön und hochinteressant - auch seiner Ausstattung wegen. Im hinteren Raum sitzen  Männer und rauchen Wasserpfeife und trinken…Dugh (eine Art Ayran). Die Zusammenstellung finde ich – für uns betrachtet - recht ungewöhnlich. Wir nehmen Platz im zweiten Raum,  bestellen Tee und essen Brot dazu. Zwei junge Mädchen, die erst am Eingang saßen, setzen sich jetzt uns gegenüber, rauchen Wasserpfeife und geben sich – auch was das Tuch betrifft - recht locker. Vielleicht wollen sie zeigen, daß sie  im Grunde genommen einfach ein paar Freiheiten haben möchten, die für uns selbstverständlich sind. Nach dem Besuch des Teehauses steigen wir aufs Dach des Basars - der Aussicht wegen. Es ist aber ein bisschen gefährlich, da nicht freigegeben für den Spaziergang. Oben  treffen wir  auf Stoffdrucker in ihrer kleinen Werkstatt, auf Männer, die beim Bedrucken von Textilien sind. 

Vor der Siesta besuchen wir noch einen weiteren Palast, den Chehel-Sotun-Palast. Von einem kleinen Iwan aus führt ein 110 Meter langes Becken auf den Palast zu, dem eine Terrasse mit 20 Säulen aus Zedernholz vorgelagert ist. Der Name des Palastes „Vierzig Säulen Palast“ bezieht sich auf die sich im Wasser spiegelnden Säulen.

Im Hotel angekommen legen wir erst einmal eine Pause ein, ich schau mir die „Financial Tribune“ an, die im Hotel ausliegt. Interessant, die Erwartungen in- und ausländischer Unternehmen verbunden mit einem erhofften  Aufheben der Sanktionen.

Nach dem Abendessen Bummel über den Imam-Platz - es ist noch hell, Kinder radeln über den Platz, überall Gruppen oder Familien auf dem Rasen, eine Schülerin probt ein Interview mit mir unter den Augen/Ohren  einer Begleitperson. Wir warten bis es dunkler wird. Hosein bringt uns dann noch zu Hossein Fallahi, einen  bekannten Miniaturmaler, dessen Werkstatt und Geschäft nur einige Schritte vom Imam-Platz entfernt liegt.  Wir sind dort nicht die ersten Touristen – davon zeugt eine Vielzahl von Visitenkarten - aber heute Abend  zumindest die einzigen. Er fertigt für Günter eine feine kleine Zeichnung an und verweist auf das Heft aus der Geschichtsreihe des „Spiegels“ von 2010 (Persien-Supermacht der Antike/Gottesstaat der Mullahs) das ich mir daheim natürlich sofort besorgen lassen konnte. Im „Spiegel“ gibt es einen zweiseitigen Artikel zur persischen Miniaturmalerei im Allgemeinen und zu seinem Anteil an dieser Kunst. Wir ziehen um eine Erfahrung reicher in Richtung Hotel. Auf dem Weg dahin fragt mich eine junge, ganz in Schwarz gehüllte Studentin nach dem Woher und Warum, sie möchte wissen, wie mir Isfahan gefällt, die schönste aller Städte des Iran und ermuntert mich, shoppen zu gehen, Silber und Souvenirs zu kaufen und weist darauf hin, daß Bruder und Ehemann ihr folgen. Die beiden jungen Männer machen einen munteren Eindruck, sind wesentlich sommerlicher gekleidet als sie als Studentin. Günter will über mich von ihr wissen, wie sie sich fühlt, so eingehüllt und ganz in Schwarz.  Sie sei es gewöhnt, es sei  für Studentinnen eben Pflicht, sich so zu kleiden.

13. Tag  -  Montag, der 20. April

Heute schauen wir uns noch die Jame-Moschee an. Wegen der hier gefundenen vorislamischen Gebäudereste wird vermutet, daß hier einst ein Feuertempel stand. Die Ursprünge der Anlage gehen auf eine einfache Pfeilerhallenmoschee aus dem 8 Jhd. Zurück. Der Besuch der Moschee sei eine Reise durch persische Architektur – und Kunstgeschichte und deshalb sehr empfehlenswert.

Gestern Abend hatten wir  uns schon mal auf den Weg zur nahegelegenen Si-o-se Pol (Brücke) gemacht, allerdings war der Verkehr so heftig, daß wir es dann doch auf den heutigen Tag verschoben hatten. Südlich der Chahar Bagh durchquert der Zayandehrud-Fluß die Stadt in östlicher Richtung und verdunstet 120 km entfernt in einem Salzsumpf. Durch Umstellung zur landwirtschaftlichen Nutzung ist das Flussbett zeitweise ohne Wasser. Die erste Brücke, an der wir Halt machten, ist die Shahrestan-Brücke, die sich am östlichen Ende Isfahans befindet, etwa 6 km vom Stadtzentrum entfernt. Die Fundamente und Rundbögen gehen wahrscheinlich auf sassanidische Zeit zurück. Sie wurde früher von den Karawanen benutzt, so war in ihrem auf der nördlichen Straßenseite befindlichen Brückenhaus ein Kontroll- und Zollstation eingerichtet. Die Brücke liegt  an einem Nebenarm und steht jetzt im Trockenen.

Wir hatten Glück - die anderen Brücken standen wirklich im Wasser.  Informationen aus dem Internet  war zu entnehmen, daß Touristen weder im November 2014, noch Februar oder März 2015 den Fluß bewundern  konnten.  Die Si-o-se Pol  (die drei Bogen-Brücke) 360 m lang und 14 m breit  wurde 1602 fertig gestellt. An dieser Brücke werden wir wieder angesprochen. Dieser Brücke statten wir nun am Abend noch einmal einen Besuch ab. Der Mond - er ist wieder der orientalische, mehr liegend als stehend. Die andere und viel bewunderte Brücke, die Khaju-Brücke  knapp zwei Kilometer östlich der Si-o-se Pol, wurde um 1650 erbaut. Sie hat 33 Bögen, ist 132 Meter lang und 12 Meter breit. Sie ist zweigeschossig und so kann man auf zwei Ebenen den Fluß überqueren. Sie hat auch die Funktion eines Dammes und besitzt Schleusen unterhalb der Bögen. An der flußabwärtsgewandeten Seite führen Treppen ins Wasser, auf deren Stufen man sitzen und genießen kann. Es ist rührend oder gleichzeitig auch ein bisschen traurig zu sehen, wie schwarzgewandete Schülerinnen mit großem Gekreisch versuchen, zumindest die Zehenspitzen ins Wasser zu tauchen. Doch wie einem Reisebericht von  2006 zu entnehmen war, sind damals schon die Teehäuser unter den Brücken geschlossen worden, da zu viele Jugendliche, auch Mädchen Wasserpfeife geraucht hätten. 

Unter einem Brückenbogen singt und rezitiert ein älterer Mann alte persische Lieder - es scheint  ein Poem mit Einleitung und Steigerung zu sein - andere älter Männer singen mit - einfach so aus Freude an der Sache. Es findet sich immer ein Publikum. Und es wird nicht um Geld gesungen.

Wir fahren noch ins armenische Viertel - Günter will endlich mal eine Kirche sehen. Gemälde sind aussagekräftiger für ihn als Ornamente. Anfang des 17. Jhd. wurden 30.000 Armenier im Süden Isfahans angesiedelt, wodurch erreicht wurde, daß sich durch deren Verbindungen die Handelsbeziehungen verbesserten. Kurze Zeit nach ihrer Ankunft begannen die Armenier mit dem Bau von Kirchen von denen die Vank-Kathedrale die größte und bedeutendste blieb. Es handelt sich hier um einen Kuppelbau mit persischen, byzantinischen und europäischen Architekturelementen. Ihre Innenausstattung ist prachtvoll. Auf dem Gelände befindet sich auch ein Museum, in welchem die Geschichte der armenischen Christen im Iran und in der Türkei auch während des Ersten Weltkrieges veranschaulicht wird. Wir suchen jetzt nach einem Cafe, um wieder Kraft tanken zu können. Es ist mittlerweile  recht warm geworden und ich bin zu allem Überfluß ja auch noch  recht bedeckt bekleidet. Der Eiscafé ist lecker, das alkoholfreie Baltika-Bier aus Russland scheint auch zu schmecken, der Preis allerdings ist heftig. Für die 30 Euro, die wir für drei Leute zahlten,  kann man sich schon ein nettes Mäntelchen kaufen - als modebewusste und schlanke Iranerin. Wir bummeln durch die Straßen in der Nähe des Hotels und vergleichen Preise, nachdem wir uns in das iranische Geldsystem eingearbeitet haben. Seit der Revolution gibt es den Rial, 10 Rial sind ein Tuman, 33.000 Rial waren   etwa ein Euro, als wir vor Ort waren. 2011 gab  es wohl Bemühungen, 3 Nullen zu streichen - man hat es dann aber wieder fallen gelassen. Beim Umgang im täglichen Leben lässt man gewöhnlich auch die Nullen weg. All das - zusammen mit dem alten Tuman, den sie behalten haben  - machte  am Anfang schon gewisse Probleme.

Mit der beginnenden Dunkelheit gehen wir mit Hosein nochmal zur Si-o-se Brücke. Die Brücke lebt, ist beleuchtet, viele Leute sind unterwegs. Zwei junge Mädchen kommen lachend auf Hosein und mich zu und breiten die Arme auf - als wollten sie uns umfangen. Hosein - ziemlich verwirrt - meint, daß die Mädchen in Isfahan wohl recht naughty wären. Wir gehen dann auch ein Stück auf der Chahar–Bagh, der Straße der vier Gärten,  entlang. Sie wurde 1600 gebaut und zieht sich fünf Kilometer lang durch die Stadt. Sie war einst gesäumt mit 30 Gartenanlagen mit Palästen und Pavillons  und in ihrer Mitte floß ein Wasserlauf, der an beiden Seiten von Promenaden und zwei Reihen Platanen begleitet wurde. Europäische Besucher der damaligen Zeit beschrieben sie als die längste und schönste Promenade der Welt. Auch heute noch ist diese  immer noch attraktive  Straße die wichtigste Nord-Süd-Achse und ihre nördliche und südliche Achse werden  durch die Si-o-Se Brücke verbunden. Es war ein schöner,  ein ereignisreicher Tag in Isfahan, zum wirklichen Genießen brauchte man mehr Zeit.

14. Tag  -  Dienstag der 21. April

Heute Abend werden wir wieder in Teheran sein - bis Teheran sind es 439 km, wir machen aber vorher noch einen Abstecher nach Abyaneh. Es sind heute mehr Gruppen im Hotel - das ist gut fürs Land. Erstes Ziel ist Natanz, die Fahrt ist angenehm, wir fahren über Hügelketten durch ein weites Tal, es geht bergauf, wir sehen Schilder, die auf Schneekettenpflicht hinweisen. In der Ferne schneebedeckte Berge. Im Ort schauen wir uns die Jame-Moschee mit dem 37 m hohen Minarett,  das angeschlossene Mausoleum des Sheikhs abd al Samad an und das stehengebliebene Portal eines ehemaligen Sufiklosters an, das mit blauen und türkisfarbenen Kufi-, Thulth- und Fliesenschriftbändern verziert ist. Wir haben heute tatsächlich mal  richtig blauen Himmel. Weiter  geht es nach Abyaneh, einem in den Karkas-Bergen gelegenen malerischen Dorf, dessen rotbraune Lehmziegelhäuser sich in Stufen einen Hang entlangziehen. Neben der Straße breitet sich eine Wüstenlandschaft ohne nennenswerte Vegetation aus. Wir biegen in eine Straße ein, die uns nun in die Berge führt. Es wird grüner, aber auch felsiger. Die Bevölkerung von Abyaneh bestand einst überwiegend aus Anhängern des zoroastrischen Glaubens, die später, als der Islam ins Land zog, nach Yazd oder Indien auswanderten. Die Frauen tragen schillernde bunte Überkleider über einen kurzen schwarzen Rock, darüber große weiße Kopftücher mit Rosenmustern.

Man spricht hier auch noch einen mittelpersischen Dialekt. Die Gassen im Zentrum führen durch einen umgebauten Feuertempel. Das Dorf liegt auf  2.200 m Höhe, die Temperatur empfinden wir als recht  angenehm. Ältere Frauen verkaufen getrocknetes Obst und Souvenirs. Es gibt aber auch wieder Kinder im Dorf, wir sehen eine Schule und vermutlich auch den Lehrer dazu. Als wir wieder absteigen, folgt mir eine ältere Frau und lädt mich zum Essen ein. Wir essen in einem Restaurant im moderneren Teil des Ortes. Ich teile  mir ein traditionelles persisches Gericht mit Hosein. Im Topf bekommen wir eine  sehr heiße Brühe, in die dünnes Brot gebröselt wird. Damit wird die Brühe sämiger. In einem anderen Gefäß sind Lammfleisch, Kartoffeln, Kichererbsen, Zwiebeln und Tomaten - mit einem Stößel ist das ganze Gemisch zu zerstampfen. Dazu muß ich mein Kopftuch abnehmen, es stört einfach. Eine europäisch wirkende Frau, die irgendwie zu einer iranischen Familie gehört, im normalen Leben vermutlich auch unbedeckt in der Küche werkelt, zeigt ebenfalls Haar. Zusammen mit Hosein krieg ich Gemüse und Fleisch auch klein und man kann es dann ganz gut in die Brühe füllen und mit Brot  essen. Zumindest war es mal wirklich traditionell und ausgesprochen billig. Das Gericht heißt Disi.

Es sind noch etwa 100 km bis Teheran zu fahren. In der Stadt angekommen, fahren wir noch  zum Azadi-Monument. Der Turm stammt aus dem Jahre 1971 und  wurde aus Anlaß zur 2500-Jahrfeier des persischen Kaiserreiches  errichtet. Das 45 m hohe Gebäude vereint vorislamische und islamische  Architekturelemente. Es besteht aus Stahlbeton und ist mit 25.000 Scheiben weißen Marmors verkleidet. Leider wurde renoviert - der Turm war uns  nicht zugängig wirkte aber sehr eindrucksvoll.

Hosein geht mit uns noch einmal in das vegetarische Restaurant der ersten Tage, wo es uns wieder sehr gut gefällt, wo uns auch das Essen und mir vor allem der Dugh wieder schmecken.

15. Tag - Mittwoch, der 22. April

Wir haben vereinbart, daß wir vor der Fahrt zum Flughafen nicht noch einmal in die Stadt wollen. Das Einchecken verläuft problemlos, ich hätte vermutlich meine angetrunkene Wasserflasche behalten dürfen. Die Paßkontrolle dauert ein bisschen länger, aber das kommt auch in Muc vor. Ein zweiter Security Check verläuft auf der Frauenseite  recht großzügig. Das Flugzeug der Türkish Airline hebt mit Verspätung ab. In einem TV Beitrag zu einer Reise durch den Iran hörte ich den Satz eines erfahrenen Reisenden  „Je schlechter die Regierung, desto netter die Menschen“ – auf den Iran trifft das wirklich zu. Das Image des Landes hat nichts mit den Menschen und den Gegebenheiten für Touristen vor Ort zu tun. Und beim zweiten Mal weiß man dann auch als Frau, wie und wo man welches Tuch  am besten befestigen sollte, daß man sich sicher und auch einigermaßen ansehnlich bewegen kann.

 

 Reise von Teheran nach Kerman

 

Fortsetzung der Reise - Teil II